Im Namen des Herrn?

Ich bin mir durchaus bewusst, welch heikles und sensibles Thema ich im Folgenden anzuschneiden gedenke. Daher werde ich mich bemühen dieses Thema möglichst bedacht, neutral und faktensicher zu behandeln.

2019 sind in Deutschland über 270 000 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das ist der höchste jemals erreichte Wert in der Geschichte. Auch in anderen europäischen Ländern können sich immer weniger Menschen mit der katholischen Kirche identifizieren. Aber warum ist das so?

Nun, ich habe mich dieser Frage spätestens bei meiner Firmvorbereitung auseinandersetzen müssen, und bin auf spannende Antworten gestoßen: Die katholische Kirche hat es sich in den letzten Jahren deutlich mit ihrem Image verscherzt, sogar bei den eigenen Anhängern. Laut der Studie Fanfocus Deutschland Verbände 2021 von 2HMforum fühlt sich nur noch jeder siebte Anhänger der katholischen Kirche emotional an seine Glaubensgemeinschaft gebunden. Auch der Frage nach der Glaubwürdigkeit stimmten nur 19 Prozent der Befragten zu. Im Vergleich: Die evangelische Kirche bringt es hier zumindest auf 40 Prozent. Fest steht: Die katholische Kirche hat ein massives Imageproblem. Die äußere Fassade des Vatikans bröckelte schon seit langem und bringt immer wieder neue dunkle Geheimnisse, Skandale, Missstände und Verbrechen zum Vorschein.

Ich habe es mir zum Ziel gemacht, einen groben Überblick über dieses Thema zu schaffen, jedoch wurde mir schnell klar, dass es mehr als eines Artikels bedarf um das zu behandeln. Schlussendlich habe ich mich dazu entschieden, innerhalb von sechs separaten Artikeln und einem Finale über die größten Belastungsfaktoren des Rufes der katholischen Kirche zu berichten. Dabei werde ich mich nicht auf andere Glaubensgemeinschaften oder Religionen beziehen, aus dem einfachen Grund, da die katholische Kirche innerhalb des Christentums die meisten Anhänger hat und die Austrittszahlen 2020 im Vergleich zu den anderen Christlichen Kirchen am größten waren.

Dabei ist es ganz wichtig zu beachten: Ziel dieser Serie ist auf keinen Fall die katholische Kirche, ihre Glaubensrichtung, oder andere Religionen bzw. Glaubensgemeinschaften absichtlich in ein schlechtes Licht zu stellen, nein, Ziel dieser Serie ist zu aller Erst einmal den (friedlichen) Dialog herbeizuführen. Dazu täte sich ja beispielsweise der Religionsunterricht hier an der Schule besonders gut eignen.

Zum anderen aber möchte ich natürlich auch über das Thema informieren und als großes übergreifendes Thema folgende Frage in den Raum stellen, welche auch zur Namensgebung dieser Serie geführt hat: Handelt die katholische Kirche (noch) im Namen des Herrn?

Dies ist die Frage, die jeder Leser für sich selbst beantworten sollte, denn den Willen (eines) Gottes kann ich faktisch und Quellenbasiert nicht interpretieren, das überschreitet meine aktuellen journalistischen Fähigkeiten, auch wenn ich daran arbeiteJ.

Zu guter Letzt möchte ich noch zu den jeweiligen Themen meine eigene, ganz persönliche Meinung darstellen, jedoch wird dies nur am Ende der jeweiligen Episoden passieren, denn schließlich ist ja meine Absicht, dass sich jeder seine eigene Meinung zu diesem Thema bildet, so er denn interessiert ist.

Die erste Folge von „Im Namen des Herrn“ erscheint bald und handelt vom „Fall Wölkie“.

von Marius Menschick